
Ohne eine ausreichende Altersvorsorge wird es in Zukunft nicht mehr möglich sein, mit dem Arbeiten je aufhören zu können. Dieser Fakt ist mittlerweile auch den meisten Menschen bekannt, daher setzen sich viele schon früh mit dem Thema auseinander. Wie du deine finanzielle Vorsorge richtig planst um deine Traumrente zu realisieren erfährst, du in diesem Beitrag.
Die Rente ist eben nicht sicher
Das bekannte Zitat „Die Rente ist sicher“ von Norbert Blühm (ehemaliger Arbeitsminister) ist heute leider nicht mehr gültig. Zumindest, was die Höhe der staatlichen Rente betrifft. Relativ zum Einkommen sinken die Renten schon seit Jahren, dieser Trend wird sich in den nächsten Jahrzehnten aller Wahrscheinlichkeit nach fortsetzen. Mehr dazu auch im Beitrag „Bricht das Rentensystem zusammen?“.
Daher ist eine eigene Rentenplanung ein wichtiger Baustein der eigenen Finanzen. Wer sich nicht darum kümmert, wird schlichtweg nicht in Rente gehen können – denn mit weniger als der Hälfte des Einkommens kann niemand wirklich auskommen. Wer hingegen früh mit der eigenen Rentenplanung beginnt, wird womöglich sogar ein paar Jahre früher in Rente gehen und den Ruhestand in vollen Zügen genießen können.
Damit dieser Blogartikel nicht zu theoretisch und trocken wird, beschreibe ich jeden Schritt zunächst allgemein. Anschließend folgen konkrete Zahlen & Berechnungen eines Musterkunden, der seine finanzielle Vorsorge nach dieser Anleitung angeht.
Schritt 1: Die eigene Traumrente festlegen
Genau wie jede längere Autofahrt mit der Zieleingabe in das Navi beginnt, so startet auch die Rentenplanung mit der Festlegung des eigenen Ziels. Dabei geht es nicht um bestimmte Vermögensgrößen, sondern erstmal um den eigenen Lebensstandard und das monatliche Budget, welches dafür benötigt wird. Inflation & Co können hier vorerst außen vor gelassen werden, diese finden im dritten Schritt Berücksichtigung.
Der persönliche Lebensstandard in der Rente ist selbstverständlich hoch individuell. Im ersten Schritt ist auch Träumen erlaubt, du kann hier ruhig auch größere Vorhaben wie z.B. eine Weltreise einplanen. Sollte sich bei Schritt 3 später die finanzielle Machbarkeit als schwierig herausstellen, kannst du das Zielbudget immer noch anpassen. Allerdings treffe ich auch Kunden, welche ungern langfristig planen und noch überhaupt nicht wissen, wie die eigene Rente aussehen könnte. Hier empfiehlt es sich, erstmal von der aktuellen Situation auszugehen. Wenn du z.B. aktuell 2.500€ monatlich für dein Leben benötigst, dann kannst du damit erstmal weiter planen. Natürlich unter der Voraussetzung, dass du damit einigermaßen zufrieden bist.
Wichtige Punkte für das Budget der Traumrente:
- Einmalige vs laufende Ausgaben: Während z.B. eine große Reise ein einmalig anfallender Betrag ist, fällt die Leasingrate des Traumautos monatlich ins Gewicht. Notiere daher große einmalige Budgets getrennt von den monatlichen Ausgaben
- Sparen fällt weg: Gehst du in Rente, so musst du nicht mehr für ebenjene Rente sparen und auch andere Raten wie z.B. Kreditraten für Immobilien fallen bis zur Rente oft weg. Dieser Umstand spielt für dich und reduziert dein Zielbudget.
- Wohnsituation: Überlege dir, ob du in deiner Rente zur Miete wohnst und dafür Budget benötigst, oder ob du mietfrei im Eigentum wohnen könntest.
- Familie: Du kannst die Planung entweder nur für dich oder gemeinsam mit deinem Partner/Partnerin durchführen. Folgendes klingt wenig romantisch, ist aber sehr wichtig: Ca. 25% der Ehen werden nach dem 67. Lebensjahr geschieden! Die Planung sollte also auch für jeden Partner einzeln, unabhängig vom anderen, funktionieren.
Unsere Musterkundin Mia möchte ihre Altersvorsorge planen und bringt folgende Eckdaten mit: 27 Jahre, 4.000€ Brutto ( 2.600€ netto) als Angestellte, aktuell ledig & kinderlos, wohnhaft in Stuttgart. Zusätzlich möchte sie in ihrem Leben flexibel bleiben und plant kein Wohneigentum in Zukunft. Nach gründlichem Nachdenken beträgt ihr persönliches, monatliches Rentenziel 2.300€ netto im Monat.
Schritt 2: IST-Lage & bestehende Ansprüche
Bevor du dir Gedanken über mögliche Sparraten für deine Rente machst, lohnt es sich, schon bestehende Ansprüche zu sammeln. Dabei handelt es sich um jegliche Formen der Altersvorsorge / Vermögensanlage, welche dir in deiner Rente Einkommen bescheren können. Hier ein paar Beispiele, welche auch oft bei der Planung übersehen werden können:
- Gesetzliche Rente: Auch wenn die staatliche Rente nicht reichen wird, sie gehört zu deinen Rentenansprüche und deckt einen Teil deines Einkommens in der Rente.
- Betriebsrente: Diese wird über deinen Arbeitgeber eingerichtet
- Versorgungswerk: Falls du einem sogenannten Kammerberuf (Ärzte, Anwälte, Architekten & Co) angehörst, zahlt dir dein Versorgungswerk eine Rente
- Lebensversicherung: Bei vielen Deutschen relativ beliebt, zahlt häufig ebenfalls Geld in der Rente aus.
- Rentenversicherung: Diese sind für die Rente gedacht und zahlen später eine Rente aus.
- Bausparvertrag: Ist für die Rente ungeeignet, beherbergt aber oft Kapital, welches du für deine Rente anlegen könntest.
- Immobilien: Du kannst diese für die Rente vermieten oder diese verkaufen und daraus Einkommen generieren.
- Depots mit Fonds / Aktien: Diese können ebenfalls Kapital für die Rente darstellen.
Gehe bzgl. deiner bestehenden Ansprüche wie folgt vor:
- Sammle jeden der einzelnen Ansprüche und notiere dir Art, aktuelle Einzahlung, prognotizierte Rente / Endvermögen
- Prüfe, welche Produkte wirklich sinnvoll sind und welche geändert werden konnten / sollten.
Beide Punkte übernehme ich auch regelmäßig im Rahmen meiner Beratung. Falls du dir also etwas unsicher bist oder einfach Zeit sparen möchtest, helfe ich dir gerne.
Ein letzter Anspruch wird jedoch häufig übersehen, da dieser bei jedem normalen Menschen Unwohlsein hervorruft: Der Tod von Verwandten und potenzielle Erbschaften. In sehr vielen Fällen stellt ein Erbe einen großen Teil der eigenen Altersvorsorge dar. Bei der Inkludierung eines Erbes in die eigene Planung ist aber etwas Vorsicht geboten, da ein Erbe nie wirklich planbar ist. Lebenserwartung, Vermögensentwicklung und Begünstigte im Testament können sich selbstverständlich ändern. Setze daher das mögliche Erbe konservativ an und falls es eher gering ausfallen wird oder du evtl. nicht begünstigt bist, so lass es aus der Rechnung raus.
Zurück zu Mia & ihrer Rentenplanung: Als junge Berufseinsteigerin verfügt sie über noch nicht allzu viele Ansprüche, hat jedoch schon eine gewisse Basis. Verdient Mia in Zukunft wie aktuell mit einer Gehaltssteigerung um 1,5% pro Jahr, so ergibt sich ein staatlicher Rentenanspruch von ca. 2.100€ netto mit 67 Jahren.
Jedoch: Diese Zahlung fließt erst in 40 Jahren wenn Mia 67 Jahre alt ist! Bis dahin wird noch einiges an Inflation ins Land ziehen, daher haben 2.100€ in 40 Jahren eine dramatisch geringere Kaufkraft als 2.100€ heute. Mehr dazu auch unter Schritt 3. Zusätzlich hat Mia noch einen alten Bausparvertrag sowie ein Depot mit Fonds bei ihrer Hausbank. Beides bietet natürlich keine direkte Rentenzahlung, ist aber schon ein ordentlicher Vermögenswert.
Schritt 3: Inflation & Kapitalbedarf ermitteln
Mit Schritt 3 erfolgt einer der wichtigsten Schritte innerhalb der Rentenplanung. Um die eigene Zukunft finanziell zu sichern, wird zuerst die Inflation berücksichtigt, um anschließend das Zielkapital für die sorgenfreie Rente zu ermitteln.
Gerade die Berücksichtigung der Inflation sorgt häufig für Fehler und für völlig unterschiedliche Ergebnisse. Daher vorab nochmal ein paar Worte zur Inflation an sich. Ein Betrag von 2.000€ heute hat eine völlig andere Bedeutung als 2.000€ in 40 Jahren! Zwar handelt es sich immer noch um 2.000€, die Kaufkraft ist jedoch unterschiedlich. Ein Beispiel:
- Dönerpreis heute: 7,50€ –> Mit 2.000€ kann ich 266 Döner essen (theoretisch…)
- Preise für Fleisch, Brot, Gemüse & Löhne für Mitarbeiter steigen über die Jahre durch die Inflation, sagen wir 2% pro Jahr
- Dönerpreis in 40 Jahren: 16,56€ –> Mit 2.000€ kann ich nur noch 120 Döner essen – weniger als die Hälfte als heute!
- Möchte ich meinen Döner-Lebensstandard von 266 behalten, so brauche ich in 40 Jahren 16,56€ x 266 = 4405€.
Dieses Beispiel zeigt, wie groß der Einfluss der Inflation bei langfristigen Planungen ist.
Schritt 3 umfasst 2 konkrete Teilschritte, um die Altersvorsorge richtig zu planen:
- Rentenziel aus Schritt 1 mit der Inflation für den Zeitpunkt des Renteneintritts hochrechnen. Dies ist nun der Zielbedarf inklusive Inflation.
- Von diesem Zielbedarf können nun alle bestehenden Ansprüche aus Schritt 2 abgezogen werden und man erhält die effektive Rentenlücke.
Diese effektive Rentenlücke ist nun jener monatliche Betrag, der für die eigene Traumrente zusätzlich monatlich benötigt wird. Doch wie viel Vermögen entspricht das / wie viel Vermögen ist notwendig, um davon lebenslang die effektive Rentenlücke per monatlicher Auszahlung decken zu können? Bei einer groben, aber realistischen Schätzung hilft die 4%-Regel: Einem „Berg“ von Vermögen können erfahrungsgemäß ca. 4% jährlich vom Bestand entnommen werden. Da das Restvermögen immer noch angelegt bleibt und Erträge generiert, geht das Geld zu Lebzeiten nicht aus. Die 4%-Regel an sich ist ebenfalls ein spannendes Thema, welches ich in einem anderen Blogbeitrag genauer aufgreifen werde.
Mithilfe der monatlichen, effektiven Rentenlücke sowie der 4%-Regel kann sehr leicht das benötigte Rentenkapital ausgerechnet werden:
Rentenkapital = (Effektive Rentenlücke x 12) / 0,04
Das soweit zur Theorie – falls du nicht alles gleich verstanden haben solltest, kein Problem. Mit dem konkreten Beispiel von Mias Situation wird alles verständlich werden.
Mias Traumrente aus Schritt 1 lag bei 2.300€, mit 2% jährlicher Inflation ergeben sich daraus für die Zukunft gut 5.000€. Ihre aktuellen Ansprüche von gut 2.100€ an staatlicher Rente bedeuten damit eine effektive Rentenlücke von knapp 3.000€ im Monat in 40 Jahren.
Selbstverständlich können staatliche Rente oder Inflation auch anders ausfallen, aber die verwendeten Werte entsprechen dem realistischstem Fall.
Mias Zielvermögen gemäß 4%-Regel entspricht nun der effektiven Rentenlücke x 12 geteilt durch ebenjene 4%.
Damit braucht Mia ca. 890.000€, um ihre Traumrente zu erreichen & lebenslang sicherzustellen. Aber: Dieses Geld sind Zukunfts-Euros inklusive sämtlicher Inflation der nächsten 40 Jahre! Dadurch wirkt die Zahl schon etwas weniger furchteinflößend.
Schritt 4: Finde die passende Vorsorge
Das konkrete Ziel für die Rente sowie der tatsächliche Bedarf sind definiert – nun gilt es, die passende Vorsorgelösung zu finden. Hier gibt es am Markt sehr viele Möglichkeiten, von klassischer Rentenversicherung, über Riester bis hin zu ETFs oder Immobilien. Jede Strategie hat dabei unterschiedliche Eigenschaften und bietet auch verschiedene staatliche Fördersysteme. Zusätzlich wird jede Form der Vorsorge auch noch von dutzenden verschiedenen Anbietern angeboten mit jeweils anderen Konditionen. Der Markt ist also riesig!
Aus diesem Grund kann gerade hier eine professionelle Beratung einen enormen Vorteil bieten, sodass du als Endkunde wirklich die für dich beste Anlagelösung findest und ein gutes Gefühl während der Anlagezeit hast.
Unabhängig davon, ob du Schritt 4 gemeinsam mit mir, mit einem Kollegen oder in Eigenregie angehst: Prüfe deine Strategie sehr genau & vergleiche verschiedene Möglichkeiten! Denn der Zinses-Zins kann auch gegen dich wirken – wer z.B. 0,5% an Rendite pro Jahr aufgrund falscher Anlagestrategie oder zu hoher Kosten verschenkt, der verliert am Ende 5– bis 6-stellige Summen.
Im konkreten Beispiel von Mia stellt sich natürlich ebenfalls die Frage nach der richtigen Lösung, damit sie ihre Traumrente erreichen kann. Folgende Überlegungen stehen im Raum:
- Mia ist Flexibilität wichtig – auch wenn das Geld für die Rente gedacht ist, möchte sie im Notfall dran kommen können. Zusätzlich soll auch die Sparrate jeden Monat anpassbar sein
- Staatliche Förderungen nimmt sie sehr gerne mit, um die eigene Vorsorge effizienter zu gestalten
- Damit Mia nicht Unsummen jeden Monat sparen muss, benötigt sie eine renditestarke Anlage. Da die Rente noch weit entfernt ist, kann sie zudem auch die damit verbundenen Schwankungen problemlos aushalten.
Durch diese „Wunschliste“ werden gleich mehrere Strategien ausgeschlossen: Basis- / Rüruprente, Riester, Betriebsrente und klassische Rentenversicherung. Ein „Match“ hingegeben gibt es mit einer Fonds- oder ETF basierten Anlage. Zusätzlich können hier ebenfalls staatliche Förderungen in Form eines Steuerrabattes bei Auszahlung realisiert werden (Mehr dazu auf der Webseite und in einem zukünftigen Blogbeitrag).
Doch wie viel sollte Mia nun monatlich sparen, um zuverlässig an ihr Ziel von 887.000€
zu kommen?
- Sie löst ihren Bausparvertrag auf und investiert die 7.500€ als Startkapital für ihre Rentenanlage
- Über die Zeit steigert sie die Sparrate um 2% pro Jahr, da schließlich auch ihr Gehalt über die Zeit steigt
- Sie nutzt ein günstiges ETF-Portfolio, welches im Schnitt 7% Rendite pro Jahr erzielt
Ergebnis: Sie sollte 250€ monatlich auf ihre Rentenanlage sparen.
Nochmal zur Zusammenfassung: Mia erreicht ihre Traumrente vollständig! Dafür legt sie 7.500€ einmalig & 250€ monatlich an. Die Sparrate steigert sie zusätzlich jedes Jahr um 2%. Mias großer Vorteil dabei ist, dass sie sowohl sehr früh mit ihrer Altersvorsorge beginnt, als auch ETFs als renditestarke Form der Geldanlage nutzt, kombiniert mit staatlichen Steuerförderungen. Insgesamt entspricht ihre Sparrate im Bezug auf ihr Einkommen etwas weniger als 10% ihres Nettogehaltes, also völlig vertretbar.
Fazit
Mit diesem Beitrag hast du einen klaren Fahrplan, wie du deine Rentenplanung angehen kannst – gerade die Schritte 1-3 sind auch nicht allzu schwer. Du kannst diese sowohl selbst gehen, als auch mit mir in einer Beratung.
Knifflig wird es i.d.R. bei Schritt 4, da die tatsächlichen Möglichkeiten der Altersvorsorge sehr vielfältig sind. Häufig macht auch eine clevere Kombination verschiedener Strategien Sinn, um alle Vorteile abschöpfen zu können. Eine falsche Strategie ist jedoch fatal: Vorhandene Fehler wie z.B. zu hohe Gebühren oder verpasste Förderungen potenzieren sich über die Zeit bis zur Rente. Daher sollte deine Strategie sorgfältig überlegt sein, bevor du den Startknopf drückst. Falls du hingegen schon etwas für die Rente anlegt hast und dir unsicher bist, lohnt sich ein professioneller Check. Gerne kann ich dich dabei unterstützen, buche dir dazu hier einen Termin.


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